der zweite raum

Das Internet ist das wichtigste Kommunikationsmedium unserer heutigen Zeit. Der digitale Raum, in dem wir uns ganz selbstverständlich bewegen, ist für viele Menschen zu einer zweiten Heimat geworden. Doch was passiert eigentlich mit unserer Persönlichkeit, wenn wir sie in die Digitalität übertragen?

Viele unterschiedliche Faktoren hängen davon ab, wie sich die digitale Identität im Vergleich zur eigenen Persönlichkeit verhält. Sie kann eine relativ hohe Ähnlichkeit mit der reellen Identität haben, doch durch die Anonymität des Internets besteht gleichzeitig die Möglichkeit einer mehr oder weniger starken Verzerrung der eigenen Person im digitalen Raum.

Die Auswirkungen des digitalen Raums auf unsere eigene Identität

Um die unterschiedlichen Phasen der Identitätsveränderung im digitalen Raum zu visualisieren, gestalteten wir einen begehbaren Kubus. Drei Seiten präsentieren jeweils eine Phase der Veränderung, von der reinen Präsenz im digitalen Raum über die Selektion bestimmter Wesenszüge bis hin zum Avatar als digitale Entsprechung.

Der Besucher hat die Möglichkeit diese Veränderung sukzessive zu erfahren, indem er jede Seite entlang des Kubus nacheinander begeht. Mit Hilfe von Erklärtexten und Zitaten erhält er währenddessen nähere Informationen über die jeweiligen Phasen.

Die vierte Seite bildet den Eingang in das Innere des Kubus. Dort wird die Thematik mit Hilfe einer interaktiven Erzählebene für den Besucher direkt erlebbar gemacht.

 


Präsenz im digitalen Raum

Sie sind Fernsehen, Zeitung und Stammtisch zugleich. Die sozialen Netzwerke haben unsere Gesellschaft im Sturm erobert. Doch was macht Facebook und Co. für uns so attraktiv? Warum scrollen wir mehrmals täglich durch unsere Timelines und beschauen stundenlang fremde Identitäten? Eine Zufriedenheit stellt sich durch die Benutzung nur selten ein. Doch das hält uns meist nicht davon ab, weiter im Stundentakt das Internet nach neuen Informationen zu durchforsten. Doch zu welchem Zweck?

 


Selektion der Wesenszüge

Welche Möglichkeiten bleiben uns im digitalen Zeitalter noch, nachdem niemand mehr das persönliche Bücherregal oder die fein selektierte CD-Sammlung nutzt, um sich von anderen Menschen zu unterscheiden? Meist sind diese vollständig in Datenstrukturen des Laptops oder dem E-Book Reader verschwunden. Was nun? Wie schaffen wir es, uns wieder ein kulturelles Profil aufzubauen? Oder sind wir im digitalen Raum fortan alle gleich?

 


Avatar als digitale Entsprechung

Ein Avatar ist ein künstliches Abbild einer ­realen Identität. Er schafft Befreiung von den Zwängen und Einschränkungen der Realität und bietet die Möglichkeit zu einer autonomen Persönlichkeitsentwicklung. Die Transformation von einer realen Identität hin zu einem Avatar gelingt im Internet so gut wie in keinem anderen Medium. Sie widerfährt vielen Nutzern fast unbemerkt, andere bauen sich bewusst ein Online-Avatarleben auf oder schaffen sich gleich mehrere Web-Identitäten, die sich fundamental von der tatsächlichen Identität ihres Schöpfers unterscheiden. Es stellt sich aber die Frage, ob und wenn ja, welche Auswirkungen dies auf unser analoges Leben hat. Wann bin ich noch ich selbst und wo liegen die Grenzen dieser Transformation?

 


Interaktiver Innenraum

Im Inneren des Kubus wird die Thematik durch eine interaktive Erzählebene erweitert. Nach dem Betreten erscheinen Silhouetten des Besuchers an den Wänden, die auf jede Bewegung reagieren und so die Identität des Besuchers repräsentieren. Nach und nach werden die Silhouetten, und somit die Identität, digital verzerrt und verändert. So kann der Besucher die unterschiedlichen Phasen der Identitätsveränderung im digitalen Raum interaktiv erfahren.

 


Betreuung
Prof. Christoph Barth
Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, Fakultät Gestaltung

In Zusammenarbeit mit Tobias Rachl

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